Creator Management: Wie Influencer-Kampagnen wirklich funktionieren
Influencer-Marketing ist in vielen Unternehmen angekommen – aber wie eine professionelle Kampagne tatsächlich abläuft, wissen die wenigsten. Das Creator Team von Most Wanted Models gibt Einblicke: vom ersten Kundengespräch bis zum Reporting, und was Brands und Creator für eine funktionierende Zusammenarbeit mitbringen müssen.
Vom Modelbooking zum Creator Management
Der Markt hat sich verschoben. Kunden buchen heute nicht mehr nur Models für klassische Produktionen – sie suchen zunehmend Talente, die auch als Creator arbeiten: Persönlichkeiten mit eigener Community, die eine Marke authentisch in ihre Kanäle integrieren. „Alle Kunden brauchen plötzlich auch Influencer – und nicht nur Models, sondern Models, die auch influencen können“, beschreibt Doreen Leifheit die Entwicklung.
Most Wanted Models hat darauf reagiert und ein eigenes Creator Team aufgebaut – Bookerinnen mit Hintergrund in Social Media, Kampagnenmanagement und Werbepsychologie, die als Schnittstelle zwischen Brands und Creators arbeiten.
Wie eine Kampagne abläuft
Der Ablauf einer Creator-Kampagne ist strukturierter als von außen oft wahrgenommen. Was das Team beschreibt:
Briefing: Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch mit dem Kunden. Geht es um Branding – also Bekanntheitssteigerung – oder um Sales? Wer ist die Zielgruppe? In welche Richtung soll die Markenbotschaft? „Oft haben Kunden eine bestimmte Vorstellung, die sich nach Rücksprache verändert – weil man mit mehr Marktkenntniss eine bessere Fährte sieht.“
Creator-Auswahl: Zunächst wird im eigenen Roster geprüft, ob ein passender Creator betreut wird. Falls nicht, werden externe Profile recherchiert. Entscheidend sind dabei nicht nur Followerzahlen, sondern Insights: Reichweite, Story Views, Länder- und Genderverteilung, Altersstruktur. „Insights sind für jeden Kunden anders – manche wollen nur die Reach Overview, andere wollen alles.“
Content-Abnahme: Creator liefern den Content vor Veröffentlichung zur Abnahme. In der Regel passt er. Der Kunde gibt frei, der Creator veröffentlicht.
Reporting: Nach der Kampagne werden die tatsächlich erreichten Kennzahlen dokumentiert – Gesamtreichweite, Demografie, Engagement. Das ist der messbare Unterschied zu Printmedien: „Wo hat man das Tracking, wenn man Printmedien hat? So ein A4-Seite in der ELLE – wo sieht man die Statistiken?“
Warum Brands mit Creator Management fremdeln
Nicht alle Brands sind bereits im Influencer-Marketing angekommen. Besonders etablierte Unternehmen, die traditionelles Marketing gewohnt sind, tun sich schwer mit dem Schritt. Das MWM Creator Team holt diese Brands ab: erklärt das System, entwickelt die Strategie gemeinsam, begleitet den Einstieg. „Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft – sie sind dabei, aber noch nicht am Maximum.“
Das Geld ist dabei nicht aus dem Markt verschwunden. Die Budgets, die früher in Print und TV flossen, bewegen sich heute in Richtung digitale Kanäle. Der Kuchen wurde nicht kleiner – er wurde umverteilt.
Was Creators für professionelle Zusammenarbeit mitbringen müssen
Drei Punkte wiederholt das Team konsistent:
Authentizität vor Perfektion. „Die Leute wollen vielleicht den unaufgeräumten Schreibtisch sehen – das Authentische, nicht das Allzu-Perfekte.“ Wer ausschließlich Hochglanz produziert, verliert Nähe zur Community. Creator sollten Freund sein, nicht Star.
Kommunikation und Erreichbarkeit. Je mehr Creators es gibt, desto stärker wird der Wettbewerb. Wer schnell antwortet und professionell kommuniziert, bekommt Jobs – wer tagelang schweigt, wird durch den nächsten ersetzt. „Zügige Kommunikation ist in einem Beruf, der reines Netzwerken ist, das A und O.“
Vertrauen in die Agentur. Die Agentur ist Verhandlungspartner, Schutzschicht und Matchmaker zugleich. Wer Brands direkt anschreibt und die Agentur umgeht, spart kurzfristig – und verliert langfristig den Zugang zu Briefings, Kampagnen und Marktnetzwerk.
KI ersetzt keine Persönlichkeit
Ein Punkt, den Doreen Leifheit abschließend betont: „Kein Avatar in dieser Welt kann euch ersetzen mit eurer Persönlichkeit.“ KI kann E-Commerce-Silhouetten erzeugen – aber keine Community aufbauen, keine authentische Markenpräsenz herstellen und keine echte Bindung erzeugen. Für Creators, die auf Persönlichkeit setzen, ist das kein Risiko, sondern ein Wettbewerbsvorteil.