
Mainboard, Commercial, Classic: was die Boards einer Agentur bedeuten
Wer den Bestand einer Modelagentur durchsieht, stößt auf Begriffe wie Mainboard, Commercial oder Classic. Das sind keine Qualitätsstufen und keine Rangfolge – sie beschreiben Einsatzkategorien.
Ein Board sagt, für welche Art von Produktion ein Model vorrangig vorgeschlagen wird. Wer die Logik kennt, findet schneller und versteht, warum ein Vorschlag so aussieht, wie er aussieht.
Was ist das Mainboard?
Das Mainboard versammelt Models im klassischen Fashion-Bereich: Editorial, Kampagne, Laufsteg, hochwertige Werbung.
Die Anforderungen an Maße sind hier am engsten, weil an Sample-Größen gearbeitet wird. Das ist keine ästhetische Entscheidung der Agentur, sondern eine Folge davon, wie Kollektionen produziert werden: Musterteile existieren in einer Größe, und wer sie tragen soll, muss hineinpassen.
Wer eine Modestrecke oder eine Fashion-Kampagne besetzt, sucht in der Regel hier.
Was unterscheidet Commercial?
Der Commercial-Bereich zielt auf Werbung im weiteren Sinn: Produktwerbung, Dienstleistung, Lifestyle, E-Commerce, Handel.
Entscheidend ist nicht die Konfektionsgröße, sondern Glaubwürdigkeit in einer Rolle. Ein Commercial-Model muss keine Sample-Maße haben – es muss überzeugen, wenn es eine Küche benutzt, ein Auto fährt, in einer Beratungssituation sitzt oder ein Produkt in der Hand hält.
Das ist der volumenstärkste Bereich. Die meisten Buchungstage entstehen hier, nicht im Fashion-Segment – ein Umstand, der von außen regelmäßig unterschätzt wird.
Was bedeutet Classic?
Classic bezeichnet Models im reiferen Alterssegment, üblicherweise ab vierzig, teils deutlich darüber.
Die Nachfrage ist über die letzten Jahre spürbar gestiegen, weil Marken ihre tatsächliche Kundschaft abbilden wollen. Ein Finanzdienstleister, dessen Kunden im Schnitt fünfzig sind, kommt mit Models Mitte zwanzig nicht weit.
Gefragt sind hier Souveränität und Ausstrahlung – Eigenschaften, die sich schwer beschreiben lassen und sich im Casting sofort zeigen.
Wofür stehen Curve, Rising Stars und Locals?
Curve umfasst Models oberhalb der Sample-Größe, mit eigener Marktlogik und eigenen Anforderungen an Passform und Musterteile.
Rising Stars sind Talente im Aufbau: Material vorhanden, erste Buchungen gemacht, aber noch nicht etabliert. Interessant für Marken, die Verfügbarkeit und frische Gesichter suchen.
Locals sind Models, die am Produktionsort leben und kurzfristig verfügbar sind, ohne Reise- und Übernachtungskosten. Eine Verfügbarkeitskategorie, keine Qualitätsstufe.
Dazu kommen bei den meisten Agenturen Trend – jünger, editorial-orientiert, oft der Übergang vom Nachwuchs ins Mainboard.
Warum ist die Einteilung für Buchungen wichtig?
Weil sie die Suche abkürzt. Wer weiß, dass er einen Commercial-Typ sucht, muss nicht das gesamte Fashion-Segment sichten – und umgekehrt.
Ein Blick in das Mainboard für Männer beantwortet eine andere Frage als ein Blick in den Commercial-Bereich, auch wenn beide dieselbe Agentur zeigen.
Für die Anfrage bedeutet das: Wer die Produktion beschreibt, bekommt die richtige Zuordnung von der Agentur. Wer ein Board benennt, sollte sicher sein, dass es das richtige ist.
Können Models in mehreren Boards stehen?
Ja, und das ist häufig.
Ein Model kann im Commercial-Bereich regelmäßig arbeiten und gleichzeitig für Fashion vorgeschlagen werden. Ein Local kann zusätzlich im Mainboard geführt sein. Ein Rising Star wechselt mit wachsender Erfahrung ins Hauptsegment.
Die Zuordnung ist eine Orientierung, keine Grenze. Sie beschreibt, wo jemand vorrangig arbeitet – nicht, wo er ausschließlich arbeiten kann.
Wie ändert sich die Zuordnung über die Zeit?
Sie verschiebt sich mit der Laufbahn. Typische Verläufe:
- New Face → Rising Star → Trend oder Mainboard
- Mainboard → Commercial, wenn sich der Schwerpunkt verlagert
- Commercial → Classic mit den Jahren
Keiner dieser Übergänge ist ein Abstieg. Ein Model, das mit fünfundvierzig regelmäßig Commercial-Kampagnen dreht, arbeitet häufig mehr als eines, das mit zweiundzwanzig auf die große Fashion-Buchung wartet.
Häufige Fragen
Sind die Board-Bezeichnungen bei allen Agenturen gleich? Im Kern ja, in Details nein. Mainboard, Commercial und Classic sind verbreitet, die Abgrenzungen und Zusatzkategorien unterscheiden sich.
Kann ich als Kunde direkt in einem Board suchen? Ja, die Boards sind öffentlich einsehbar. Die Verfügbarkeitsprüfung läuft trotzdem über die Agentur.
Wer entscheidet über die Zuordnung? Die Agentur, auf Basis von Material, Maßen und tatsächlicher Nachfrage. Sie wird angepasst, wenn sich zeigt, dass ein Model woanders besser funktioniert.
Bedeutet Mainboard höhere Vergütung? Nein. Die Vergütung richtet sich nach Produktion, Arbeitszeit und Nutzungsrechten – nicht nach dem Board.
Fazit
Boards sind Einsatzkategorien, keine Rangfolge. Wer die Logik kennt, findet schneller und versteht, warum ein Vorschlag aus einem bestimmten Bereich kommt.
Im Zweifel gilt: Beschreiben Sie die Produktion, nicht das Board – und lassen Sie die Zuordnung die Agentur übernehmen.
Weitere Begriffe zur Struktur einer Agentur stehen im Model & Creator Guide.