Model-Glossar: Die wichtigsten Begriffe der Modelbranche erklärt
Wer in die Modelbranche einsteigt, begegnet schnell Begriffen, die ohne Erklärung kaum einzuordnen sind. Doreen Leifheit, Inhaberin von Most Wanted Models, erklärt die wichtigsten Fachbegriffe aus dem Alltag einer Modelagentur – von der Direktbuchung bis zum Buyout.
Editorial Shooting
Ein Editorial Shooting ist ein Shooting für redaktionelle Inhalte – also für Magazine wie Vogue, ELLE oder Grazia. Es dient nicht dem Verkauf eines Produkts, sondern der inhaltlichen Gestaltung des Heftes. Gagen für Editorial-Jobs liegen entsprechend niedriger, weil keine kommerzielle Verwertung stattfindet. Für eine Modelkarriere sind Editorials trotzdem wertvoll: Sie liefern hochwertiges Book-Material und verleihen einem Profil Gewicht.
Lookbook
Ein Lookbook ist ein Shooting-Format im B2B-Bereich – also von einem Modehersteller für seine Einkäufer oder Boutiquen. Es zeigt die aktuelle Kollektion. Ist die Zielgruppe hingegen der Endkunde direkt, spricht man von einem Katalog oder einer Broschüre.
E-Commerce
E-Commerce-Shootings produzieren Bilder für Online-Shops. Das Volumen in diesem Bereich ist in den letzten Jahren stark gewachsen – Kollektionen wechseln schneller, Shootings sind häufiger. Viele Models arbeiten heute einen Großteil ihrer Zeit im E-Commerce-Bereich, für Marken wie About You, Zalando, OTTO oder bonprix.
Direktbuchung
Deutschland ist ein Direktbuchungsmarkt. Das bedeutet: Kunden buchen Models auf Basis von Material – Fotos, Video, Setcard – ohne Live-Casting. In anderen Märkten wie Mailand oder Paris sind tägliche Live-Castings Standard; in Deutschland ist das die Ausnahme. Für Models heißt das: aktuelles, hochwertiges Material ist entscheidend.
E-Casting
Ein E-Casting ist kein Casting für E-Commerce, sondern ein Casting, das das Model selbst zuhause durchführt – per Handyvideo nach Vorgabe des Kunden. Meistens für Werbespots, bei denen schauspielerische Qualitäten gefragt sind.
On Stay / Abroad
On Stay bedeutet, dass ein Model für einen bestimmten Zeitraum zu einer Partneragentur im Ausland geht, um dort den Markt zu erschließen. Befindet sich ein Model nicht On Stay, ist es „Abroad“ – also über die Mutteragentur in Deutschland ins Ausland vermittelt, ohne vor Ort präsent zu sein.
Fitting
Ein Fitting ist eine Anprobe vor dem Shooting – entweder um zu prüfen, ob Kleidungsstücke passen, oder um das Styling abzustimmen. Bei Werbeproduktionen (Film, Spots) übernimmt diese Rolle das Kostüm-Department.
Showroom
Ein Showroom ist ein physischer Ort, an dem ein Modehersteller seine aktuelle Kollektion den eigenen Einkäufern oder Boutiquen präsentiert. Models ziehen die Teile an, laufen durch den Raum und zeigen Details. Da keine Bilder entstehen, sind Showroom-Gagen in der Regel geringer als bei Shootings mit Bildrechten.
Tagesgage und Buyout
Die Tagesgage eines Models beinhaltet in der Regel bereits die Bildrechte – den sogenannten Buyout. Der Buyout variiert je nach Nutzungsumfang: Wie viele Medien? Wie lange? In welchen Ländern? Je breiter die Nutzung, desto höher der Aufschlag. Ein TV-Spot Deutschland für ein Jahr entspricht beispielsweise einem klassischen Aufschlag von rund 300 Prozent auf die Tagesgage. Redaktionelle Jobs werden geringer vergütet, weil keine kommerzielle Verwertung der Bilder stattfindet.
Setcard
Die Setcard ist die Visitenkarte des Models – ein Karton mit mehreren Fotos, Maßen und Agenturkontakt. Früher wurden Setcards in Auflagen von 500 bis 1.000 Stück gedruckt und waren nach wenigen Monaten überholt. Heute übernimmt die digitale Präsentation (Book, Online-Portfolio) den Großteil dieser Funktion. Der Begriff „Setcard“ leitet sich übrigens vom Nachnamen ihres Erfinders ab – daher die Schreibweise mit D, nicht T.
New Face, Mainboard, Commercial Board
Wer neu einsteigt, beginnt auf dem New Face Board – manchmal auch Development oder Rising Stars genannt. Nach ausreichend Erfahrung und Material wechselt ein Model auf das Mainboard: das sind die erfahrenen, etablierten Models der Agentur. Das Commercial Board umfasst oft Models ab 30, die verstärkt für kommerzielle Kampagnen gebucht werden.
VELMA
Die VELMA ist der Verband der führenden Modelagenturen Deutschlands. Ursprünglich war die VELMA-Mitgliedschaft mit einer staatlichen Lizenzvergabe durch die Bundesanstalt für Arbeit verbunden – seit Anfang der 2000er-Jahre entfiel diese Regulierung. Seitdem fungiert die VELMA als Branchengütesiegel: Mitgliedsagenturen kontrollieren sich gegenseitig und halten gemeinsame Standards. Most Wanted Models ist seit Gründung Mitglied.
Fazit
Die Sprache der Modelbranche ist spezifisch – wer die Begriffe kennt, versteht schneller, was eine Modelagentur leistet und wie der Arbeitsalltag funktioniert. Ob Direktbuchung, Buyout oder New Face Board: Wissen über die eigene Branche ist Teil professionellen Auftretens.