Modelagentur: Was Booker wirklich tun – und was Models wissen sollten


Was macht eine Modelagentur eigentlich den ganzen Tag – und wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Booker, Model und Kunde wirklich? Doreen Leifheit, Inhaberin von Most Wanted Models, gibt in diesem Beitrag konkrete Einblicke aus über 25 Jahren Booker-Erfahrung.

Woran erkennt man eine seriöse Modelagentur?

Die Frage stellen viele – die Antwort ist klarer als gedacht. Doreen Leifheit empfiehlt, als ersten Orientierungspunkt die VELMA zu nutzen, den Verband der führenden Modelagenturen Deutschlands. Die VELMA-Mitgliedsagenturen haben historisch eine staatliche Zulassung als Arbeitsvermittler für Fotomodelle durchlaufen – eine Qualitätshürde, die es heute formal nicht mehr gibt, weil die Regulierung weggefallen ist.

„Ich würde mich an der VELMA orientieren. Das ist das Gütesiegel“, sagt Leifheit. „Weil das jetzt jeder machen kann – es ist völlig unkontrolliert.“ Wer eine Agentur sucht, filtert die VELMA-Liste zuerst – und bewirbt sich dann.

Most Wanted Models ist seit Gründung Mitglied der VELMA und seit 1997 am Markt.

Direktbuchungen statt Live-Castings: der deutsche Markt

Ein häufiges Missverständnis: In Deutschland laufen Buchungen anders als in Paris, London oder Mailand. Während Models in diesen Märkten fünf bis zehn Live-Castings pro Tag absolvieren – und mit den Füßen die Stadt erkunden –, arbeitet der deutsche Markt seit jeher mit Direktbuchungen.

Das bedeutet: Der Kunde vertraut auf Agenturempfehlung, ein aktuelles Video und frische Polaroids. Live-Castings sind die Ausnahme. „Wir in Deutschland hatten schon immer eher Direktbuchungen“, erklärt Leifheit. „Der Kunde setzt sich nicht hin und sagt, heute von 1 bis 3 schickt man alle Models in der Stadt vorbei.“

Das hat eine direkte Konsequenz für Models: Aktuelles Material ist keine Kür, sondern Pflicht. Wer gute, frische Bilder und ein sauberes Video liefert, wird vorgeschlagen. Wer das Material nicht aktuell hält, wird schlicht seltener platziert.

Was Kunden heute buchen – und wie sich der Markt verändert hat

Der Kundenstamm von Most Wanted Models ist breit: Modefotografie, E-Commerce, Beauty, Kosmetik, Wäsche, Automotive. Von Vogue, ELLE und Grazia über About You, Zalando, OTTO und bonprix bis zu L’Oréal, Nivea und Maybelline – der Bedarf ist vielseitig.

Was sich verändert hat: das Tempo. „Unsere Kataloge sind jetzt Online-Shops, E-Commerce – die shooten mehr Teile am Tag“, sagt Leifheit. Kollektionen wechseln schneller, Shootings sind häufiger und oft im Studio statt on location. Das bedeutet für Models mehr Volumen, aber auch mehr Regelmäßigkeit.

Location-Shootings auf den Seychellen oder in Mexiko gibt es weiterhin – aber der Kern des Geschäfts ist heute der effiziente Studio-Shoot für den digitalen Handel.

Männliche Models: der unterschätzte Markt

Ein Detail, das viele überrascht: Für männliche Models in Deutschland ist der Einstieg schwieriger als gedacht – aber aus einem strukturellen Grund. „Die Kunden suchen meistens zwischen 30 und aufwärts. 30, 40 ist so das Grand“, erklärt Leifheit. Wer als Mann mit 23 anfängt, ist für viele Kunden schlicht noch zu jung. „Alt wird man von selbst.“

Der Umkehrschluss: Männliche Models haben einen längeren aktiven Horizont als oft angenommen. Angegraut schadet gar nicht. Internationale Märkte denken dabei anders – im Ausland sind jüngere Gesichter häufiger gefragt.

Die Rolle der Mutteragentur

Wer international arbeiten möchte, sollte nicht die Stadt wählen, die einem am besten gefällt – sondern dahin gehen, wo der Markt ist. Die heimische Agentur übernimmt als Mutteragentur die Platzierung im Ausland: Sie kennt die Partneragenturen vor Ort, hat persönliche Kontakte, weiß welche Märkte gerade stark sind.

„Die Agentur gibt es schon mindestens 24, 25 Jahre. Die kennt die ganzen Agenturen vor Ort, arbeitet mit denen schon lange zusammen“, sagt Leifheit. Auslandsaufenthalte sind dabei wie Fortbildungen – wer regelmäßig internationale Märkte sieht, entwickelt sich als Model weiter und bekommt daheim mehr Anfragen.

Was Models wirklich weiterbringt

Booker wollen eines: ein Model erfolgreich platzieren. Wer das versteht, arbeitet mit der Agentur – nicht nur für sie. Was konkret hilft:

  • Erreichbarkeit: Wer nicht zurückruft, wird seltener vorgeschlagen. Einfach.
  • Aktuelles Material: Neue Polaroids und Videos, wenn die Agentur sie anfordert.
  • Zuverlässigkeit am Set: Pünktlichkeit, Professionalität, keine Überraschungen.
  • Eigeninitiative: Instagram pflegen, Fotografen-Kontakte aufbauen, selbst präsent sein.

„Wir stehen da voll drauf, die Models zu verbuchen und den Job zu kriegen. Das ist unser Ding“, sagt Leifheit. „Und deswegen empfehlen wir Sachen, wo wir der Meinung sind, damit kann ich dich verbuchen.“

Fazit

Eine Modelagentur ist kein Selbstläufer für das Model und kein Dienstleister, dem man die Karriere überlässt. Sie ist ein aktiver Partner – der die Märkte kennt, die Kunden hat und die Platzierungen organisiert. Wer sich bei einer Agentur bewirbt, sollte auf Seriosität achten (VELMA-Mitgliedschaft als Orientierung), aktuelles Material mitbringen und die Zusammenarbeit ernst nehmen. Wer das tut, hat auch nach 30 – oder mit 40 – noch Chancen. „Versuchen kann man es. Es gibt immer Ausnahmen.“