Was Booker wirklich tun: Ein Blick hinter die Kulissen der Modelagentur


Die meisten Models sehen nur das Ergebnis: gebucht oder nicht gebucht. Was davor passiert – Akquise, Vorschläge, Nachfassen, Koordination – bleibt unsichtbar. Doreen Leifheit, Inhaberin von Most Wanted Models, und Bookerin Caroline sprechen offen darüber, wie das Booking wirklich funktioniert – und was sich viele Models nicht vorstellen.

70 Prozent werden nichts

Eine Zahl, die überrascht: Von allen Anfragen, die bearbeitet, gepackt und vorgeschlagen werden, wird rund 70 Prozent kein Job. „Von 100 Jobs werden 30 was und 70 nichts – die Mehrheit wird eigentlich nichts“, sagt Doreen Leifheit. Und das ist nicht die Quote der Anfragen insgesamt – sondern die der bereits fertig gepackten Packages, bei denen Models schon kontaktiert, Videos angefragt und Optionen gestellt wurden.

Die Vorarbeit ist jedes Mal dieselbe: Briefing lesen, System filtern, Package zusammenstellen, an Kunden schicken, auf Feedback warten, ausgewählte Models kontaktieren, Verfügbarkeit abfragen, zusätzliches Material anfordern, sichten, auswählen, zurückschicken. „Das dauert je nach Anfrage zehn Minuten, eine Viertelstunde, manchmal länger“, erklärt Caroline. Und all das für Jobs, die meistens nicht entstehen.

20 bis 30 Anfragen gleichzeitig

Was Models noch weniger sehen: Booker bearbeiten nicht eine Anfrage nach der anderen. „Ich habe ungefähr immer 20 bis 30 Anfragen parallel laufen“, sagt Leifheit. Täglich kommen neue dazu, andere fallen raus. Kunden warten auf Antworten, Models melden sich nicht zurück, Deadlines laufen.

Wer in dieser Situation tagelang auf eine einfache Verfügbarkeitsabfrage wartet, verliert Jobs – nicht weil der Kunde das Model nicht wollte, sondern weil der Kunde inzwischen woanders gebucht hat. „Manchmal sagen sie dann einfach, dass sie keine Zeit haben – ich weiß aber nicht, warum man das nicht kurz direkt nach der Anfrage sagen kann, anstatt dass man dreimal nachfragen muss, bis eine Reaktion kommt“, so Caroline.

Akquise, die niemand sieht

Bevor ein Kunde überhaupt anfragt, steckt Arbeit dahinter, die vollständig unsichtbar ist. Kunden besuchen, Kontakte pflegen, Anschreiben für einzelne Models vorbereiten – nicht als Massenmail, sondern individuell. „Ich muss jeden Kunden persönlich anschreiben, einen netten Text dazu schreiben, schauen, dass das Model auch gut verkauft wird.“

Und dann kann es passieren, dass monatelang nichts kommt. Nicht weil der Vorschlag ignoriert wurde – sondern weil Kundenentscheidungen manchmal sehr lang dauern. „Das bäckt bei denen teilweise unfassbar lang.“

Der Booker entscheidet, wen er vorschlägt

Ein Punkt, der selten ausgesprochen wird: Booker wählen aus. Nicht willkürlich – aber eben auch nach dem, wie die Zusammenarbeit läuft. „Der Booker ist wie ein Türsteher im Club – ich entscheide letzten Endes, wen ich ins Package tue“, sagt Leifheit direkt. Wer respektlos kommuniziert, schlecht erreichbar ist oder Vereinbarungen nicht einhält, wird seltener vorgeschlagen – ganz einfach, weil der Aufwand sich doppelt.

Umgekehrt: Models, die zurückschreiben, Bescheid geben wenn sie im Urlaub sind, und auch mal fragen wie es der Bookerin geht, fallen positiv auf. Nicht weil das Sympathiepunkte sammelt, sondern weil professionelle Zusammenarbeit auf beiden Seiten funktioniert.

Was eine Agentur schützt – konkret

Ein Aspekt, den viele erst verstehen, wenn es zu spät ist: Bildrechte. Ein Kunde bucht für eine Kampagne in München. Ohne klaren Vertrag nutzt er die Bilder drei Jahre lang weltweit auf Plakaten, in Stores, auf Social Media. Das Model bekommt dafür nichts extra – weil niemand die Nutzung verhandelt hat.

Eine Modelagentur verhandelt Buyout, Nutzungsumfang und Laufzeit vor jeder Buchung. Was danach passiert, ist vertraglich geregelt. „Ohne Agentur kommst du an die großen Kunden gar nicht ran – die Türen sind zu“, fasst Leifheit zusammen.

Fazit

Hinter jeder Buchung stecken Dutzende unsichtbarer Schritte. Booker werden nicht für diese Arbeit bezahlt, sondern nur für den Erfolg – für die Buchung, die tatsächlich stattfindet. Wer das versteht, versteht auch, warum die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Model und Modelagentur so direkt auf das Ergebnis einzahlt. „Wir sind ein Team – und wenn wir an verschiedenen Enden ziehen, kommen wir keinen Zentimeter vorwärts.“