Styling für Models: Was eine erfahrene Stylistin wirklich sieht


Styling wird beim Aufbau eines Model-Books häufig unterschätzt. Fotograf gebucht, Haare und Make-up organisiert – und dann? Birgit Steger, Moderedakteurin, Stylistin und Coaching-Mitglied im Rahmen von The Model Institute by Most Wanted Models, erklärt, warum Styling das entscheidende vierte Element ist – und was Models konkret davon haben.

Ein Werdegang, der alles abdeckt

Birgit ist nicht Stylistin geworden, indem sie sich selbst so nannte. Sie hat es von Grund auf gelernt: Als Moderedakteurin beim Magazin Freundin – dort, wo sie unter anderem mit einer damals noch unbekannten Heidi Klum zusammenarbeitete, die das Team als eine der ersten Redaktionen überhaupt buchte. Was in einer Redaktion passiert, erklärt sie so: Storyboard entwickeln, Messen besuchen, Themen erarbeiten, Locations scouten, Fotografen auswählen – und erst ganz am Ende kommt das Model ins Spiel.

Diese Perspektive ist für Models wertvoll: Eine Buchung ist das Ergebnis eines langen Teamentscheidungsprozesses. Der Stylist sitzt mit am Tisch – und hat Einfluss.

Nach der Freundin folgten jahrelange Katalogproduktionen, unter anderem für Triumph, und zuletzt eine Fotoproduktion für Germany’s Next Topmodel. Birgit hat beide Seiten gesehen: Redaktion und freiberufliche Praxis.

Was Styling für ein Shooting bedeutet

Für ein gutes Shooting reicht es nicht, Lieblingskleidung mitzubringen. „Wenn der Kunde sagt, das Model bringt auch was mit“ – dann beginnt für Birgit eine Vorbereitung: Videocall mit dem Model, Kleiderschrank zeigen lassen, individuelle Auswahl. Mix and Match statt Komplettoutfit. „Wenn man gerne das Romantische trägt, würde ich sagen: Okay, aber schau mal, ob wir in die coolere Richtung gehen können – mit Basics, die du hast.“

Jedes Bild soll anders aussehen. Hand drin, Hand draußen. Zipper offen, Zipper zu. Kleines Finetuning, das im Ergebnis den Unterschied macht zwischen einem guten und einem wirklich starken Book.

Wäscheshooting: was Models wissen müssen

Ein spezielles Thema, das Birgit offen anspricht: das Wäscheshooting. Jeder Körperteil kann sichtbar sein – entsprechend ist Vorbereitung Pflicht.

Was eine professionell ausgerüstete Stylistin mitbringt: Bademantel und Hausschuhe für zwischen den Aufnahmen, verschiedene Einlagen für unterschiedliche Größen, Stecktricks für verschiedene BH-Typen. Was ein Model selbst mitbringen sollte: gepflegte Hände und Füße – ohne Ausnahme. „Das geht nicht“ ist Birgits klare Ansage zu Models, die mit ungepflegten Füßen zu Wäsche-Jobs erscheinen.

Typberatung: was wirklich zu einem passt

Ein Punkt, der viele überrascht: Wer als Model arbeitet, muss tragen was verlangt wird – nicht was gefällt. Wer das verweigert, fragt sich zu Recht, warum er Model ist. „Man sollte die Gedanken shiften, das ins Positive bringen.“

Gleichzeitig: Wer seinen eigenen Typ kennt, arbeitet besser. Birgit schaut auf der Straße sofort, was eine andere Jeans, hochgekrempelte Ärmel oder ein anderes Accessoire ausmachen würden. Dieser Blick lässt sich trainieren – und genau das bietet sie in Einzelarbeit an: Typberatung, Kleiderschrank-Check, gemeinsames Shoppen wenn nötig.

Warum Styling das Book entscheidet

Wer 500 bis 1.000 Euro in ein Shooting investiert, Haare und Make-up professionell bucht – und dann selbst Kleidung aus dem Kleiderschrank mitbringt, die nicht passt – verschenkt den Großteil des Investments. „Styling wird da oft vergessen. Aber es ist genau so wichtig in dieser Teamarbeit, damit wirklich tolle Photos entstehen.“

Birgit Steger ist über The Model Institute by Most Wanted Models buchbar – für Einzelberatung, Videocoaching, Book-Aufbau und Typberatung. Wer sein nächstes Shooting vorbereitet, sollte Styling als feste Budgetposition einplanen, nicht als Nachgedanken.