Model und Kamera: Was ein Regisseur wirklich sieht


Was sieht ein Regisseur, wenn ein Model vor seiner Kamera steht? Simon Verhoeven, Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent – bekannt aus Produktionen mit Til Schweiger, Florian David Fitz und Heiner Lauterbach – war zu Gast bei The Model Institute by Most Wanted Models und hat offen erzählt, wie Casting, Auswahl und Set-Alltag wirklich funktionieren.

Was Models vor der Filmkamera voraus haben

Die häufige Annahme: Models können nicht schauspielern. Simons Einschätzung ist differenzierter. „Models, die schon ein bisschen Erfahrung haben, haben sozusagen einen Vorsprung gegenüber Menschen, die noch nie vor der Kamera gestanden sind.“ Sie wissen, wie sie wirken. Sie kennen Scheinwerfer, Teams, Fokuspunkte. Das Set überbeeindruckt sie nicht.

Was ihnen fehlt, ist Rollenerfahrung – das bewusste Einfühlen in eine Figur, das Loslassen der eigenen Person. Das lässt sich lernen. Schauspielworkshops oder -kurse können helfen, solange sie seriös sind. „Wenn es Workshops sind, wo man das Gefühl hat, die Person weiß, worüber sie spricht – dann glaube ich schon, dass es total helfen kann.“

Was beim Casting wirklich zählt

Für eine einzige Werbeproduktion sichtet Simon manchmal 40 E-Castings. Von 40 erstellt er eine Shortlist von fünf. Die geht an Werbeagentur und Kunde – und von dort beginnt eine Verhandlung, in der der Regisseur seinen Favoriten oft taktisch durchsetzen muss.

Das bedeutet: Wer nicht genommen wird, ist nicht unbedingt schlechter. Oft entscheiden Faktoren, die nichts mit dem Model zu tun haben: Haarfarbe, Größenverhältnis zum Hauptdarsteller, Kompromisse zwischen drei Meinungen hinter den Kulissen. „Man könnte jeden Werbespot in sehr vielen Varianten drehen – mit sehr vielen verschiedenen Mädchen oder Models.“

Absagen nicht persönlich zu nehmen ist deshalb kein mentaler Trick, sondern eine sachliche Einsicht. „Es ist ein Ergebnis von ganz vielen Faktoren, die nichts mit dir persönlich zu tun haben.“

E-Castings: wie man auffällt

E-Castings sind heute Standard. Simon schaut sich Videos oft nachts um drei an, wenn die Produktion läuft. Was sofort negativ auffällt: eine lange Selbstdarstellung am Anfang. Was positiv wirkt: ein kurzes, freundliches Hallo, ein Satz zur aktuellen Situation – und dann zur Sache.

„Ein kleiner freundlicher Moment und eine kleine Connection – aber natürlich darf man nicht seine Lebensgeschichte erzählen.“ Wer sich fragt, ob er gut rüberkommt: aufnehmen, anschauen, ehrlich beurteilen. „Wie natürlich kann ich einen Text sprechen? Wie kann ich mich in die Gedanken einer Figur einfühlen?“ Das sind die richtigen Fragen – und sie lassen sich zu Hause beantworten, bevor das erste echte Casting kommt.

Was am Set schief gehen kann – und was das bedeutet

Simon erzählt zwei konkrete Beispiele: eine Schauspielerin, die braungebrannt vom Urlaub ankam, obwohl sie eine blasse Figur spielen sollte – zweieinhalb Stunden Korrektur-Make-up, ein halber Drehtag verloren. Ein Darsteller, der für ein Look-Casting mit Vollbart erschien, den er für einen anderen Job brauchte – der Job war danach kaum zu retten.

Was das für Models bedeutet: Zwischen Casting und Dreh keine optischen Veränderungen ohne Absprache. Keine Frisur, kein Bart, keine Bräune. Der Kunde hat das Casting-Bild in Erinnerung – und wenn das Model nicht mehr so aussieht, ist das Vertrauen weg, bevor die Kamera läuft.

Schüchternheit ist kein Hindernis

Ein Satz, der vielen Models Mut macht: Auch die größten Schauspieler sind schüchtern. „Mein Job als Regisseur ist ganz oft, großen Stars Händchen zu halten und zu sagen: Doch, das war gut, du schaffst das.“ Schüchternheit bedeutet Sensibilität – die Fähigkeit, zu spüren, was im Raum ist. Das ist beim Schauspiel kein Nachteil, sondern eine Ressource.

Entscheidend ist nicht das Fehlen von Anspannung, sondern der Umgang damit. Wer lernt, präsent zu bleiben und zuzuhören – statt nur auf seinen nächsten Satz zu warten – macht den entscheidenden Schritt. Das ist trainierbar, und Most Wanted Models begleitet Models genau dabei: mit Workshops, Coaching und dem Erfahrungswissen aus The Model Institute by Most Wanted Models.