Wozu braucht man eine Modelagentur – und was sie wirklich leistet


Eine der häufigsten Fragen, die Einsteiger stellen: Brauche ich überhaupt eine Modelagentur – oder reicht heute Instagram? Doreen Leifheit, Inhaberin von Most Wanted Models, gibt eine klare Antwort.

Was eine Modelagentur von Anfang an leistet

Wer neu ins Modelgeschäft einsteigt, unterschätzt, was eine professionelle Modelagentur bereits am Anfang übernimmt. Das beginnt beim Aufbau: Welcher Fotograf passt zu diesem Typ? Welches Styling bringt das Gesicht zur Geltung? Welche Bilder werden Kunden tatsächlich vorgelegt?

Das ist kein Zufall und kein guter Rat vom Rand – es ist Kernaufgabe des Bookings. „Nachdem ein Model aufgenommen wird, schlage ich es allen meinen Kunden vor, von denen ich der Meinung bin, dass sie diesen Typ suchen“, erklärt Leifheit. Welche Kunden welche Typen wann suchen – das ist Wissen, das sich über Jahre aufbaut.

Vorschläge, die Models nie sehen

Ein Detail, das viele nicht kennen: Models werden weitaus häufiger vorgeschlagen, als sie Buchungen erhalten. Bei einer gut aufgestellten Modelagentur sind das oft mehrere hundert Vorschläge pro Jahr – an mehrere hundert verschiedene Kunden. Nicht jede Anfrage wird zur Buchung, aber ohne Vorschlag gibt es keine Chance.

Wer sich fragt, warum zwei Wochen lang kein Job kam, sollte zunächst fragen, wie oft er vorgeschlagen wurde. Die Zahl überrascht meistens.

Was Models alleine nicht abbilden können

Sobald ein Model regelmäßig arbeitet, wächst der Aufwand im Hintergrund: Reiseorganisation, Bildrechteverfolgung, Rechnungsstellung, Vertragsabwicklung. „Ich kann mir schwer vorstellen, wie man manchmal mehrere Jobs pro Woche oder im Monat hat und das dann auch noch alles selber organisiert“, sagt Leifheit.

Hinzu kommt die Preisverhandlung. Ein Model, das selbst über Instagram gebucht wird, muss plötzlich gleichzeitig Talent und Dienstleistungsunternehmen sein. Verhandelt es zu niedrig, verliert es. Verhandelt es zu hoch ohne Erfahrung, verliert es auch. „Vor allem bringst du dich immer in die Position, wo du, der eigentlich das Model sein möchte und eine Dienstleistung bringen will vor der Kamera, plötzlich auch verhandeln muss über Preise.“

Das Risiko bei Direktanfragen

Anfragen über Instagram klingen verlockend. Aber ohne Erfahrung in der Preissetzung passiert Folgendes: Budget wird ohne Maßstab akzeptiert, Bildrechte werden nicht verhandelt, die Nutzung läuft unbeschränkt. „Was ist der Buyout, wo wird das eingesetzt, zeitlich unbeschränkt, räumlich unbeschränkt – das ist russisches Roulette.“

Booker einer Modelagentur haben jahrelange Verhandlungserfahrung. Sie kennen Marktpreise, Bildrechtsstandards und die Konsequenzen schlechter Konditionen. Das ist keine Nebenleistung – es ist ein wesentlicher Teil dessen, wofür die Agentur steht.

Fazit

Eine Modelagentur ist kein Türöffner, den man irgendwann nicht mehr braucht. Sie ist operativer Partner: für Vorschläge, Verhandlungen, Organisation und langfristigen Karriereaufbau. Wer international und professionell arbeiten möchte, kommt ohne sie kaum aus – nicht weil es verboten wäre, sondern weil der Aufwand alleine schlicht nicht abzubilden ist.